Ältester Beleg für Maya-Kalender entdeckt


Zusammengesetzt ergeben zwei Fragmente des Wandputzes die Kalender-Glyphe „7 Hirsch“ Copyright: Heather Hurst u. David Stuart

Zusammengesetzt ergeben zwei Fragmente des Wandputzes die Kalender-Glyphe „7 Hirsch“
Copyright: Heather Hurst u. David Stuart

Austin (USA) – In Guatemala haben Archäologen auf zwei Wandfragmenten eine Maya-Glyphe entdeckt, die auf die Nutzung eines Kalenders hinweist – und das schon gegen 300 v. Chr. Damit handelt es sich um den ältesten Beleg für die Nutzung eines Kalenders durch die Maya. Mit dem von einigen Autoren mit dem Ende der Welt 2012 assoziierten und bekannten „Maya-Kalender“ hat der Fund allerdings wenig zu tun.

Entdeckt wurden die beiden Fragmente eines einstigen Wandputzes in einem Maya-Tempel in der Maya-Stätte San Bartolo-Xultun, im Ruinenkomplex Las Pinturas, nordöstlich der Maya-Stätte Tikal im Norden Guatemalas. Laut dem Team um Professor David Stuart von der University of Texas in Austin, zeigt die darauf befindliche Glyphe – so die beiden Fragmente zusammengesetzt werden – das Symbol „7 Hirsch“, die in der Maya-Frühzeit einen der vier Jahresanfangstage markierte. Entsprechend datieren die Wissenschaftler den Fund in die Zeit zwischen 300 und 200 v. Chr.

Wie die Forschenden aktuell im Fachjournal „Science Advances“ (DOI: 10.1126/sciadv.abl9290) berichten, basiert der Kalender auf der traditionellen 260-Tage-Zählung, die im gesamten antiken Mesoamerika – also nicht nur von den Maya, sondern auch von Mixteken, Azteken und Olmeken – für rituelle Zwecke genutzt wurde.

Hintergrund
Insgesamt nutzten die Maya vier Kalender, die allesamt sehr komplexe und elegante Wege der Zeit- und Datumsanzeige und -Berechnung darstellen.

Darstellung des Haab‘-Zyklus mit seinen 18+1 Monaten. Copyright/Quelle: theilr (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 2.0

Darstellung des Haab‘-Zyklus mit seinen 18+1 Monaten.
Copyright/Quelle: theilr (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 2.0

Zum einen gibt es den für Prophezeiungen genutzte „Tzolk’in“, aus dessen Symbolik auch die nun beschriebene „7 Hirsch“-Glyphe stammt. Der Tzolk’in basiert auf einer Zählung von 260 Tagen aus einer Kombination von 13 Nummern und 20 Tagen, für die es unterschiedliche Symbole gibt. Da ein Jahr aber nicht 260 Tage misst, handelt es sich um einen Zyklus-Kalender – ähnlich unserer 7-Tage-Woche. Demnach bezeichnet die Glyphe „7 Hirsch“ auch kein konkretes Datum, keine Jahreszeit oder Jahr, sondern kann eher mit der Angabe unserer Wochentagsnamen verglichen werden.

Hinzu gibt es den sogenannten Haab‘ – den 365-tägigen Sonnenkalender der Maya; einen Mondkalender und den als „Lange Zählung“ (Long Count) bekannten Kalender, mit dem längere Zeiträume erfasst werden konnten, der für Himmelsbeobachtungen und historische Aufzeichnungen eine wichtige Rolle spielte und der nicht zuletzt durch sein angebliches Auslaufen am 21. Dezember 2012 unserer Zeitrechnung rund um dieses Datum weltweit zu einer regelrechten Maya-Kalender-und-2012-Hysterie führte. Tatsächlich handelte es sich aber lediglich um das Ende eines in diesem Kalendersystem angezeigten Zyklus auf dann der nächste Zyklus folgte.

Der Tempel bzw. dessen heutige Ruine selbst stammt aus der prä-klassischen Maya-Periode und zählt zu den frühesten Maya-Komplexen ganz Mittelamerikas, deren Mittelpunkt eine aus sieben Schichten aufgebaute und reich mit Wandmalereien dekorierte Pyramide markierte. Neben den zahlreichen Wandmalereien finden sich unter den oberen Schichten auch weitere Malereien und Einritzungen, die zu den ältesten Funden von Maya-Schriftzeichen überhaupt gehören.

Die nun anhand neuer Analysen sozusagen erneut entdeckte erste Glyphe sei größer als die folgenden und zeige die Zahl Sieben in der bekannten Punkt-Strich-Codierung der Maya, berichten Stuart und Kollegen in ihren Fachartikel. Unter dieser Zahlendarstellung (eine Rekonstruktion durch GreWi findet sich auf der linken Seite) – anhand des Fragments fehlt ein weiterer Punkt über dem Strich – zeigt die Darstellung einen Hirschkopf.

Trotz früherer Funde, die sich jedoch nicht genau datieren und geografisch zuordnen lassen, schließen die Forschenden anhand der nun beschriebenen Identifizierung der Hirsch-Glyphe und der C-14-Datierung, dass es sich um das älteste eindeutig datierte Datumszeichen der Maya und damit eines der ältesten in ganz Mittelamerika handelt. Darüber hinaus belege die Glyphe, dass die Maya schon vor 4.300 bis 4.200 Jahren die rituelle 260-Tage-Zählung nutzten. „Wahrscheinlich war dieses System aber bereits damals schon länger in Gebrauch“, vermuten Stuart und Kollegen.

Zudem werfe die neu entdeckte Datumsglyphe auch ein neues Licht auf die Entwicklung des Maya-Kalenders. Tatsächlich ist aus späteren Funden bereits bekannt, dass sich die Benennung des Tages „7 Hirsch“ später änderte: „In der klassischen Maya-Periode wurde dieser Tag später nicht mehr mit einem Hirschkopf, sondern mit einer Hand mit sich berührendem Daumen und Zeigefinger abgebildet.“ Der Grund hierfür war vermutlich die Ähnlichkeit zwischen dem alten Maya-Wort für Hirsch „Chij“ und „Chi“ für Hand. Stuart und Kollegen vermuten, dass die Nutzung des Hirschkopf-Symbols im Tempel von San Bartolo-Xultun zudem ein frühes Stadium der Entwicklung der Maya-Schrift darstellt und selbst aus einer Zeit stammt, bevor sich das rein phonetische Chi-Zeichen etablierte.

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